„Self-Care? Du meinst wohl Egoismus!“ -S

Oft sind unsere Wochen von vorn bis hinten, oben bis unten durchgeplant mit allerlei mehr oder minder wichtigen Dingen. Hier Arbeit, da Studium, dann noch Familie und Freunde und allen möchte man es recht machen. Da wäre es doch purer Egoismus, sich einen Abend frei zu nehmen, oder? Ich meine, wenn man schon Zeit hat kann man doch gleich die Welt retten oder zumindest mit den Freunden essen gehen, richtig?

Nein, nicht richtig. Der einzige Mensch, dem du verpflichtet bist, bist du selbst. Klar, du willst niemanden enttäuschen, der dir nahe steht und verbringst auch gern Zeit mit Freunden, aber niemand kann dir einen Vorwurf machen, wenn du mal keine Zeit oder einfach keine Lust hast.

„Sorry, ich kann leider nicht kommen. Ich muss arbeiten und morgen kommen meine Eltern, da muss die Wohnung sauber gemacht werden und mit dem Hund muss ich auch noch raus und ach, gerade ist noch die Wäsche fertig geworden, ich muss los!“

Oft ist in solchen Ausflüchten ja auch tatsächlich etwas Wahres zu finden. Aber jetzt mal ehrlich, wie oft wolltest du einfach nur sagen, dass du gern allein wärst? Nicht unbedingt, weil du traurig bist und niemanden sehen magst, sondern nur, weil du dich selbst eigentlich gerade am liebsten um dich hättest und gern dein Buch zu Ende lesen wolltest, welches schon seit Monaten auf der Fensterbank vereinsamt. Wieso also beim nächsten mal nicht einfach so:

„Tut mir leid, heute wollte ich mal ein bisschen Self-Care machen. Du weißt schon. Ein Bad nehmen, mein Buch lesen oder vielleicht die letzte Staffel meiner Serie schauen. Vielleicht tanze ich auch nur singend durch die Wohnung und bekoche mich selbst. Aber morgen können wir uns gern sehen!“

Das bedeutet nicht, dass du egoistisch bist oder dich von anderen abschottest. Und es bedeutet auch nicht, dass dir deine Freunde nicht mehr so wichtig sind, sondern nur, dass du dir selbst wichtig bist. Hab keine Angst davor, mal nein zu sagen. Es ist nur ein Wort, und du hast das Recht, es zu gebrauchen.

Ich selbst habe damit noch immer meine Schwierigkeiten. Wenn ich ehrlich bin, liegt mir gesundes Zeitmanagement sowieso nicht. Ich hab am Anfang der Woche meist schon jeden Tag durchgeplant, ohne überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden, wann ich mal Zeit für mich haben würde. Das geht auch immer ganz gut, bis ich irgendwann einen Punkt erreicht habe, an dem mein Kopf mich quasi zwingt mich zurückzuziehen. Ich habe dann kaum noch Lust auf etwas und würde am liebsten den ganzen Tag und die ganze Woche in meiner Pyjamahose im Bett liegen bleiben. Natürlich geht das nicht, denn es stehen immer irgendwelche Sachen an, die man erledigen muss, wenn man beispielsweise nicht unbedingt durch die Prüfungen fallen möchte.

Das soll jetzt kein Freischein sein, um nicht mehr rausgehen zu müssen. Soziale Kontakte und frische Luft sind genauso wichtig, wie sich um sich selbst zu kümmern. Jeder muss seine gute Mitte finden. Die liegt nicht bei jedem gleich. Es gibt keine Formel, mit der du berechnen kannst wie viele Tage im Monat du mit Freunden, in der Uni, mit dem Partner, der Familie oder mit dir selbst verbringen musst, um glücklich zu sein. Nimm dir Zeit und versuche rauszufinden, was dich in diesem Moment glücklich machen würde. Es gibt natürlich auch Tage, an denen man einfach keine besondere Lust hat, sich mit Freunden zu treffen und feiern zu gehen, aber im Nachhinein stellen sich diese Abende dann manchmal als die besten deines Lebens raus und manchmal eben auch nicht. Also wirf nicht gleich die Flinte ins Korn, wenn deine Motivation mal abhanden gekommen ist, sondern frag dich lieber nach dem Grund dafür. Wenn du keinen finden solltest, dann gib dem Abend und deinen Leuten eine Chance und zur Not kannst du immer noch nach Hause gehen.

Solltest du aber merken, dass in deinem Kopf zu viel los ist und du dich überfordert mit allem fühlst, dann gönn dir doch einen Tag Ruhe und bring Ordnung in das Wirrwarr da oben. Denn du kannst so viele Vitamine zu dir nehmen, wie du möchtest, wenn es deinem Kopf nicht gut geht, dann wird dein Körper das merken und dich am Ende nur zwanghaft in den Ruhezustand versetzen, was nicht immer besonders gut ausgeht.

Lerne, auf deinen Körper und deinen Kopf zu hören und danach zu handeln. Self-Care ist kein Egoismus, sondern eine Notwendigkeit.

-S

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