Die Suche nach dem Selbst – S

Ich habe mir während der letzten Zeit viele Gedanken um das Thema ‚Identität‚ gemacht, weil ich schon einige Blogposts und Ähnliches dazu gelesen habe. Da es sich dabei um ein großes Thema handelt und mich auch andere Meinungen sehr interessieren, habe ich mir gedacht, einen Blogpost etwas anderer Art zu gestalten. Es soll eine Art Dialog mit Celine entstehen, denn die Frage nach dem Selbst und nach der eigenen Identität beschäftigt ja eigentlich jeden, oder?

Für mich ist „Identität“ nichts, was ein Leben lang feststeht. Es gibt nicht diese eine Version von dir oder mir, die es zu finden gilt oder die schon unser Leben lang vorbestimmt ist. Sie schlummert nicht irgendwo in uns, wo sie darauf wartet, dass wir sie auf Reisen oder durch Meditation entdecken. Ich denke, man kann durch so etwas nur herausfinden, was einen im Hier und Jetzt glücklich macht und wie man sich in genau diesem Moment die nächsten Jahre seines Lebens vorstellt. Diese Vorstellungen können natürlich bleiben, wachsen, sich verstärken, sie können sich aber auch gänzlich ändern. Identität ist nicht vorgegeben. Nicht deine Herkunft, dein Geburtsland, dein Geschlecht oder dein Aussehen bestimmen, wer du bist. Ich bin in Deutschland geboren, genauso wie meine Eltern, und ich bin weiblich. Aber diese Umstände müssen nicht bestimmen, wer ich als Person bin und wozu ich mich hingezogen fühle. Diese Typisierungen wurden irgendwann einmal von der Gesellschaft festgelegt, nicht von mir. Ich bin in erster Linie Mensch. Ein unbeschriebenes Blatt, ein ganz neues und freies Leben. Und geprägt werde ich nicht durch meine Herkunft, die Vorstellungen meiner Eltern oder von der Gesellschaft, sondern durch meine Erfahrungen, Emotionen und Wünsche. Zumindest sollte es so für mich sein. Genauso wenig werden mein jetziges Ich und die Person, die ich später mal sein könnte dadurch bestimmt, wer ich in der Vergangenheit war. Es ist egal wer ich in der Schule war, als mit dem Strom zu schwimmen ein ganz plausibler Weg schien, als ich den Erwartungen meiner Eltern und Freunde gerecht werden wollte oder als mein eigenes Bild von mir selbst noch sehr verzerrt durch Selbstzweifel und die typische pubertäre Unsicherheit war. Alles egal, denn es beeinflusst nicht, wer ich jetzt bin oder sein möchte. Natürlich hinterlässt alles, was wir erleben auch Spuren, die wir unser Leben lang in uns tragen werden. Inwieweit ich mich davon lenken lasse entscheide aber trotzdem noch ich allein. So kann ich auf dem aufbauen, was mir ein passendes Fundament zu sein scheint und hinter mir lassen, was mich nicht weiterbringt oder vielleicht in die falsche Richtung lenken würde.

Wenn man nun von dieser Vorstellung des „Selbst“ als einen temporären, aktuellen Zustand, oder besser als Prozess, ausgeht und nicht von einem großen, unumstößlichen Ganzen, dann wirkt das Leben gleich viel leichter. Ich habe lange gedacht, dass ich meinen Weg finden muss. Diesen einen Weg, der mich zum Glück führen wird. Diesen Weg gibt es aber eigentlich gar nicht. Zumindest nicht in der Form, dass er geradlinig verläuft sobald man nur den Anfang gefunden hat. Es gibt kein festes Ziel, auf dass man hinarbeiten muss, um glücklich zu sein. So sehe ich das, aber:

Wie siehst du das, Celine?

Ohje. Die Identität. Das Selbst. Wer bin ich und wer will ich sein. All das sind Dinge, über die natürlich auch ich schon sehr viel gegrübelt habe und deine Worte machen mich auch jetzt wieder sehr nachdenklich. Ich habe den Fabel, mich über ganz bestimmte Attribute zu definieren, über Dinge die mich in irgendeiner Form ausmachen. Lange habe ich mich zum Beispiel über meine psychischen Krankheiten definiert, weil diese persönliche Eigenschaften mit sich brachten, die mich (scheinbar) von anderen abgehoben haben. Ich war zum Beispiel lange ‚das magersüchtige Mädchen‘. Dieses Bild von mir selbst hat mir Sicherheit gegeben, weil ich Regeln für mich als Persönlichkeit und für mein Verhalten aufstellen konnte. Als mir dann irgendwann klar wurde, dass Magersucht gar nicht meine Persönlichkeit, sondern eine Krankheit war, fühlte ich mich meines Selbst beraubt. Es hat lange gedauert herauszufinden, dass ich neben meinen Erkrankungen auch noch eine ‚echte‘ Persönlichkeit habe. Damals hatte ich wirklich Angst, dass ich mein Geld auf das falsche Pferd gesetzt habe und nach meiner Therapie ohne jede Identität dastehen würde. Keine Magersucht, kein Ich quasi.

Heute weiß ich Gott sei Dank, dass das Quark ist. Ich bin ich und ich bin stolz darauf, wer ich bin und was ich geschafft habe. Keiner kann mir meine Identität, mein Selbst nehmen. Kein Mensch, der mir etwas antut, kein grausames Erlebnis, keine Krankheit. Und, Steffi, ich finde deinen Gedanken toll, zu sagen, dass der Weg, den wir momentan gehen und in Zukunft gehen werden, nicht durch unsere Herkunft, unser Geschlecht und eben auch nicht durch unsere Erlebnisse und Entscheidungen festgelegt wird. Vielleicht ist es nicht immer möglich, auf unserem Weg umzudrehen und einen Schritt zurück zu gehen, aber wir haben gewiss die Möglichkeit unsere Träume und Ziele zu ändern, auf unserem Pfad ganz unerwartet abzubiegen oder sogar einen ganz neuen Weg einzuschlagen.

Deine Steffi und Celine

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