Was Instagram mit Body Shaming zu tun hat -S

Etwa die Hälfte aller Frauen und Männer sind unzufrieden mit ihrem Körper. Sogenannte “Problemzonen” lassen uns glauben, wir wären weniger schön. 80% der Frauen fühlen sich nach einem Blick in den Spiegel unwohl, schlechter, weniger wert. In diversen Zeitschriften und Magazinen sehen wir Artikel, meist über Frauen, Prominente, die “noch nicht ihren Sommer-Body erreicht” haben, die nach ihrer Diät letztes Jahr schon wieder ganze 3 Kilogramm zugenommen haben (was natürlich nur vermutet wird, anhand neuster Fotos). Solche Zeitschriften kauft sich zwar kaum noch jemand, immerhin sind die Auflagen bei einigen dieser Zeitschriften um ganze 63% gesunken, aber in beinahe jeder Arztpraxis oder auch in vielen Fitnessstudios liegen sie noch immer aus und es hat sich in den letzten Jahren sowieso etwas ganz Anderes entwickelt, was besonders jungen Menschen ein falsches Bild von “Perfektionismus” vermitteln kann: Social Media!

Wie ihr vielleicht schon merkt, habe ich ein bisschen Recherchearbeit geleistet und mich durch diverse Artikel und Statistiken geforstet – ganz vorbildlich eben – und habe mehrmals gelesen, dass sich die Menschen kaum noch aufgrund prominenter Vorbilder in ihrem eigenen Körper unwohl fühlen. Dabei sollte man doch meinen, dass eben diese ach-so-perfekten Promis einschüchternd auf uns wirken, oder?

Dass die meisten dieser Promis einen ganzen Expertenstamm hinter sich und genug Geld in der Tasche haben, um sich das gesündeste Essen und Personal-Trainer zu finanzieren, ist uns allerdings schon bewusst geworden. Wir haben also längst erkannt, dass es keinen Sinn macht sich mit ihnen zu vergleichen.

Was uns wirklich zu schaffen macht, das sind unsere Freunde und Bekannte, die wir täglich in Perfektion auf Instagram und Co. sehen. Die perfekte Pose, Zahnpasta-Lächeln, die Haut ganz glatt und der passende Filter über dem Foto. Alles sitzt, sieht ästhetisch aus.

Prinzipiell ist daran ja auch nichts falsch! Jedem ist selbst überlassen, wie er sich auf Instagram und Co. darstellt und was er über sich Preis geben möchte. Das Problem bei der Sache ist, wie man mit diesem Perfektionismus umgeht, mit dem man konfrontiert wird. Man will mithalten, nicht untergehen, mit der Masse schwimmen und keine Schwäche, keinen Makel zeigen.

Celine und ich haben schon oft über Körpergefühl gesprochen und darüber, was uns die Gesellschaft vermittelt, welche Normen gesetzt werden und wie diese sich entwickeln.

Ich habe mich eine lange Zeit sehr unwohl in meinen Körper gefühlt. Als junges Mädchen war ich sehr dünn, obwohl ich unfassbar viel gegessen habe. Klingt wohl erstmal nach einen Traum – viel Essen ohne zuzunehmen, ist es aber gar nicht. Ich hatte Abschürfungen an der Wirbelsäule, weil ich mit dem Rücken an jeder harten Stuhllehne in der Schule gelehnt bin, irgendwann dicke Hornhaut und manchmal immer noch blaue Flecken dort. Bäuchlings die Rutsche im Schwimmbad runter rutschen ging nicht, weil meine Hüftknochen an jeder kleinen Unebenheit hängen blieben und wieder Schürfwunden entstanden. Meine Hände und Füße waren andauernd eiskalt. Einmal im Krankenhaus gewesen, nichts Ernstes, aber bei der Aufnahme meinte eine Schwester zu mir, dass mein Gewicht schon sehr bedenklich wäre und schaute mich beinahe verurteilend an. Das war ein ganz mieses Gefühl, zumal sie mir einfach nicht zu glauben schien, dass ich wirklich genug esse.

Dann wurde ich älter und mein Stoffwechsel normalisierte sich, ich nahm zu und schon wieder fühlte ich mich unwohl, ich kannte das so schließlich nicht. Auf Instagram das Foto eines Models gesehen, das ich toll fand und direkt habe ich mir dieses Foto als Hintergrundbild festgelegt, damit ich immer mein Ziel vor Augen habe. Um dieses Ziel zu erreichen habe ich verschiedene Diäten ausprobiert und mir erst vor einem dreiviertel Jahr eingestehen wollen, wie ernst die Gründe dahinter waren. Jeden Tag auf die Waage und immer wieder von der Zahl enttäuscht, die mir angezeigt wurde.

Vor etwa zwei Jahren habe ich zwei Wochen lang krank im Bett gelegen und kaum etwas zu mir genommen, sodass ich einiges an Gewicht verloren habe und obwohl ich wusste, dass das nicht gut für meinen Körper war, war ich in irgendeiner Art und Weise auch froh darüber, so dünn zu sein. Jetzt würde ich schließlich auf jedem Foto gut aussehen, weil mein Bauch super flach war, meine Beine dünn und generell alles ästhetischer, oder?

Kurz darauf wurde ich wieder gesund und habe ich, natürlich, auch wieder zugenommen, da sich auch meine Mahlzeiten reguliert haben und ich dringend Energie brauchte. Ich fand das zeitweise ganz schlimm, heute schaue ich mir jedoch Fotos aus dieser Zeit an und frage mich, wo genau mein Problem lag. Ich sehe so oft Fotos aus der Schulzeit von mir und erinnere mich zuerst daran, wie unwohl ich mich manchmal in meiner Haut gefühlt habe. Ich sehe Fotos und weiß noch ganz genau, dass ich dachte meine Beine wären „zu dick“, an der Hüfte und am Bauch könnte es auch etwas weniger sein. Heute sehe ich dieselben Fotos und weiß absolut nicht, wie meine Sicht so verblendet sein konnte.

Und ich muss ehrlich zugeben, dass Social-Media-Plattformen diese negativen Gefühle noch verstärkt haben. Mit den Fotos, die wir hochladen, schaffen wir eine Wirklichkeit für andere, die zur einzigen Wirklichkeit für diese Menschen wird, die sie von uns kennen. Wir selbst wissen sehr wohl, dass wir nicht nur diese kleine Schale Obst gegessen haben und dass wir vorher noch einen saftigen Döner hatten. Wir selbst wissen, dass wir vor einer halben Stunden noch mit verwuschelten Haaren und tiefen Augenringen ratlos vor dem Spiegel standen und überlegt haben, wie wir dieses Chaos in den Griff bekommen sollen.

Die anderen, unsere Follower, die sehen etwas ganz anderes. Ein Follower sieht gesundes Essen, wenig Kalorien, viele Spaziergänge und Besuche im Fitnessstudio, Moral, Disziplin und perfekte Körper. Unsicherheit, Zweifel, Kalorien – das alles wird aus dem Bild rausretuschiert, welches wir von uns Preis geben und das kann einfach nicht gesund sein. Nicht für uns, nicht für andere. Irgendwann fangen wir vielleicht an dieses Bild welches wir schaffen als gesetzt zu sehen, als eine Norm, der wir gerecht werden müssen und andere Menschen haben gar nicht die Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen, wenn ihnen gar kein Tellerrand gezeigt wird.

Ich will damit niemandem vorschreiben, was er zu posten hat und was nicht, das kann ich gar nicht. Instagram und Co. sind dazu da, selbst zu entscheiden, was wir von uns zeigen wollen. Mir selbst und anderen kann ich aber ans Herz legen nicht alles zu glauben, was einem die Medien und andere Menschen zeigen und vor allem, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Die schönsten Fotos sind für mich immer noch jene, auf denen man sieht, wie glücklich eine Person gerade ist. Ein schiefes Lachen, zu viel Zahnfleisch, die Beine stehen doof und die Schultern sind überhaupt nicht gerade, aber: diese Person ist glücklich und das ist viel schöner, als gestellte Fotos. Wir können außerdem darauf achten, welchen Accounts wir folgen. Klar, wir sammeln Inspiration für eigene tolle Fotos und wollen in unserem Feed schöne Bilder sehen, die uns vielleicht noch dazu ermutigen, das Beste aus uns herauszuholen. Ich habe jedoch irgendwann angefangen, vor allem den Menschen zu folgen, die sich selbst nicht so ernst nehmen und auch einem Mädchen, das ständig Vergleichsfotos hochlädt. Auf der einen Seite ihr Körper für Instagram, auf der anderen Seite ihr Körper wenn keine Kamera in Sicht ist. Der Unterschied ist enorm, was mir erst so richtig bewusst gemacht hat, wie wenig Inhalte auf Instagram wirklich „echt“ sind. Weitere Accounts vergleichen Paparazzi-Fotos mit denen, die die Promis selbst auf ihren Accounts hochladen und siehe da: Die Taille ist schmaler, das Kinn kürzer und spitzer und die Wangenknochen angehoben.

All diese Fotos und Inhalte können besonders für junge Menschen ein absurd falsches Realitätsbild schaffen, so wie es bei mir der Fall war. Sobald man sich jedoch erst einmal mit der Thematik beschäftigt und sich bewusst macht, dass das definitiv nicht realistisch ist, was da auf Instagram und Co. geteilt wird, ist der erste Schritt getan und ich denke, dann fällt es einem leichter, solche Inhalte zu sehen, ohne sich gleich Gedanken über sein eigenes Aussehen zu machen.

Zu diesem Thema könnte ich wahrscheinlich noch ewig weiter schreiben, aber ich denke, die Meisten werden wissen, was ich hiermit meine. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen mit Instagram und Body Shaming entweder hier in den Kommentaren oder per Instagram mitteilt. ❤️

Eure Steffi

PS: hier ein Foto, welches manche von euch vielleicht schon von meinem Instagram kennen, aber ich denke, es passt an der Stelle ganz gut als kleiner reminder, dass wir auch schön und vor allem glücklich sind wenn wir nicht dem klassischen Bild von „perfekt“ entsprechen ❤️

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