Warum ich nicht besonders gern in Schubladen stecke. -S

Es kommt mal wieder ein Beitrag, den ich in einer Nacht und Nebel Aktion mal eben so getippt habe, Hauptsache raus aus meinem Kopf. Es ist also durchaus möglich, dass ihr zwischendurch vor lauter Frustration, weil ihr kein einziges Wort versteht, das ich da geschrieben habe, eure Telefone gegen die Wand werft, den Kopf in euer Kissen steckt und schreit, euch mit der flachen Hand gegen die Stirn schlagt oder ganz klassisch kopfschüttelnd euer Telefon weglegt – frei nach dem Motto: „Genug Internet für heute.“.

In diesem Sinne… viel Spaß!


Ich hasse es, in Schubladen gesteckt zu werden. Das passiert tagtäglich, und ehrlich gesagt erwische ich mich nicht selten dabei, mich selbst in eine Schublade zu stecken. Ich mute mir Dinge zu, oder eben nicht, und bin dann ganz zufrieden damit, dass ich jetzt diese vorgegebene Richtung habe, der ich nur noch folgen muss. Und ganz tief in mir drin weiß ich, dass es mir vor nicht allzu langer Zeit sogar gefallen hat, wenn andere mich für einen bestimmten Typ Mensch gehalten haben.

Das nette Mädchen, das mit jedem klar kommt, jeden mag, keinen hasst, das so nervös ist, wenn es neue Leute trifft dass es sowas von vorn herein eher vermeidet – und so weiter und so fort. Klar, die meisten Dinge stimmen / stimmten auch zumindest zum Teil, aber manchmal habe ich das Gefühl, nicht ausbrechen zu dürfen. Was, wenn ich jemanden mal nicht mag? Wenn mir jemand total unsympathisch ist und ich ein schlechtes Gefühl habe? Was ist, wenn ich auch mal einen fiesen Gedanken habe? Darf ich nicht mal denken, was ich möchte?

Okay, ich denke an dieser Stelle sollte ich wohl klarstellen, dass ich keineswegs ein Problem damit habe, wenn Menschen diese Dinge über mich denken. Ich darf ja schließlich auch keinen verbieten, ein bestimmtes Bild von mir zu haben, wo unser Verstand nun mal so funktioniert – mit Mustern (eines der Dinge, die man während meines Studiums mit Ergänzungsbereich Soziologie so lernt und über das ich vielleicht die letzten Wochen eine Seminararbeit geschrieben habe). Es sind schöne, gute Dinge. Aber einige Menschen tendieren nun mal dazu, an ihren Vorstellungen dann so festzuhalten, sich so sehr darauf zu verlassen, dass sie davon nicht ablassen wollen. Und diese scheinbare Gewissheit solcher Menschen setzt den, dem diese Erwartungen gelten, unter Druck.

Dieses Bestimmtsein durch die Meinungen anderer hat mich nicht selten dazu gebracht, mich vor mir selbst zu erschrecken.

“Warum denke ich denn sowas?”

“Das passt doch überhaupt nicht zu mir.”

“Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?”

Es hat mir solch eine Angst gemacht wenn ich Gedanken hatte, die nicht zu diesem mir auferlegten Muster passten, weil ich dachte, wenn die nur jemand hören könnte, dann wäre er ganz sicher unfassbar enttäuscht von mir. Ich bin ja schließlich gar nicht so. Oder etwa doch?

Ich war so gefangen darin, diese eine Person zu sein, von der alle denken, dass ich sie wäre, dass ich einfach vergessen habe herauszufinden, wer oder wie ich tatsächlich bin. Ich glaube, ich hatte immer das Gefühl, dass Freundschaft in gewisser Weise eine Art Vertrag wäre. Ändert einer der Vertragspartner die Bedingungen (in diesem Falle wäre das ich gewesen, die sich verändert), so hätte der andere natürlich jedes Recht den Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen und davor hatte ich so große Angst, hauptsächlich während der Schulzeit, dass ich mich in meiner Persönlichkeit etwa so fühlte, wie in dem Moment wenn man mitten in der Nacht nach Hause kam und krampfhaft versuchte keinen Laut zu machen, um die Eltern nicht zu wecken. Nur dass es dabei nicht die Eltern waren, die man vermeiden wollte, sondern eher so etwas wie: “Du hast dich aber ganz schön verändert, jetzt finde ich dich gar nicht mehr so cool.”.

Mal ernsthaft, wie blöd ist dieser Gedanke?

Auch heute erwische ich mich noch dabei, dass ich mich sofort schuldig fühle wenn mir jemand sagt, ich hätte mich verändert.

Ja, das habe ich. Ich bin nach Dresden gezogen, vor zwei Jahren, habe neue Freundschaften geschlossen, neue Eindrücke gewonnen, wohne alleine, habe einen Freund, probiere neue Dinge aus – kurz gesagt: mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ist es da nicht normal, dass man sich ändert? Raus aus dem kleinen Ort, in dem man aufgewachsen ist, in dem jeder jeden kennt und jeder der Meinung ist, selbst über das Sexleben und am besten noch den Stuhlgang ihm völlig fremder Leute reden zu dürfen (Man wohnt ja schließlich nicht weit voneinander entfernt und folgt demjenigen auf etwaigen Social-Media-Kanälen, ist also quasi miteinander verwandt, und was hat man sonst schon spannendes zu tun?) und rein in die Stadt, in der alles so schön anonym ist. Anonymität fühlt sich hier wirklich sehr wie Freiheit an, wie eine ungewohnte Leichtigkeit im Leben.

Ich will mich austoben können, ganz auf meine Weise, ohne dass mir irgendwer sagt, wie ich zu sein habe. Ich will Dinge tun, die mir Spaß machen, ohne mir Gedanken darüber zu machen was denn wohl die Leute sagen würden. Ich will nicht mehr hören, dass Leute, die ich noch aus der Heimat kenne, oder eben auch nicht, dies oder jenes über irgendeine Sache sagen, die ich tue oder getan habe. Ich habe so viele schöne Dinge und gute Menschen in meinem Leben, die es mir so egal erscheinen lassen, was Leute mit ihrem Leben anstellen, mit denen ich nichts zu tun habe. Und ganz ehrlich? So sollte es sein.

Aber ich denke, am allermeisten nervt mich an dieser ganzen Thematik nur eines – und das bin ich selbst. Denn obwohl all diese Einflüsse auf mich einströmen bin ich es schließlich, die sie hereinlässt. Rein in die Birne, in meine Gedanken, in mein Verhalten. Ich bin diejenige, die sich auf diesen Erwartungen ausruht. Dabei merke ich, dass ich jedes Mal, wenn ich neue Leute kennenlerne, auch ein Stück weit mich selbst kennenlerne und das ist fantastisch. Ich höre neue Ansichten, treffe inspirierende Menschen und denke mir, dass ich das auch möchte. Ich muss dafür also aufhören, an Typisierung festzuhalten, die mir andere auferlegt haben.

Beispielsweise war ich schon immer sehr ungeschickt. Das ist okay, das ist ein Teil von mir, aber irgendwann habe ich angefangen, mich darauf auszuruhen. Wenn ich sowieso nur gesagt bekomme, WIE ungeschickt ich sei, dann könne ich es doch auch gleich lassen, oder? Nein! An so etwas kann man arbeiten oder sich wenigstens dazu motivieren, es trotzdem zu versuchen. Schwäche muss schließlich keine Fessel sein, die einen zurückhält. Und wen juckt es schon, wenn man bei relativ belanglosen Dingen eben einen etwas anderen Lösungsweg hat, solange das Ergebnis stimmt?

Also auch hier mal wieder ein kleiner Reminder für uns alle, dass wir zum einen darauf achten sollten, welche Energien uns die Menschen in unserem Umfeld senden und ob wir uns damit wohlfühlen oder nicht, und dass wir in gewisser Weise steuern können, welche dieser Energien wir hereinlassen wollen. Wenn du merkst, dass manche deiner Freunde, oder auch Familienmitglieder, dir mehr negative als positive Energie senden, dann solltest du vielleicht überlegen, wie du das ändern kannst. Rede mit ihnen, sprich darüber, wie du dich fühlst und reflektiere für dich selbst, was du möchtest und was du dir von dieser Beziehung wünscht. Ich will mich selbst nicht mehr in Fesseln legen, will mir keine Wege mehr vorgeben, nur weil es vielleicht ungewohnt oder beängstigend ist, einen neuen zu gehen. Ich möchte mir nicht mehr selbst im Weg stellen. Die Veränderungen der letzten Jahre haben mir so gut getan, warum also nicht auch weiterhin?

In Schubladen ist es nun mal viel zu eng und stickig und dunkel, da kann man weder fliegen, noch atmen oder sehen.

Achtet auf euch selbst, liebt euch selbst. Wir tun es jedenfalls und wünschen euch hiermit eine fabelhafte Restwoche!

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