Lass mal drüber reden! – P

Sie haben Angst als empfindlich, prüde oder sogar als Lügner*in abgestempelt zu werden. Betroffene suchen die Schuld für die Grenzüberschreitung bei sich. Opfern sexualisierter Grenzüberschreitung wird nicht zugehört, ihnen wird die Verantwortung für das Erlebte zugesprochen oder ihre Glaubwürdigkeit aberkannt. „Das ist doch ein Kompliment“ „Hab dich doch nicht so“ „Das hast du bestimmt falsch verstanden“ -Standardantworten, wenn Sexismus zum Thema wird.

Wenn die Situation doch als schlimm aufgefasst wird, wird sie in der Regel dennoch als privater, tragischer Einzelfall abgetan, dem absolut keine Struktur zugrunde liegt. So hört man es immer wieder. Doch es ist ganz anders: Grenzüberschreitungen sind Teil des Alltags. Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erlebte bereits jede zweite Person sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Viele der Betroffenen, meistens Frauen, schweigen über ihre Erfahrungen. Doch wir reden darüber. Jetzt!

Wenn die Situation doch als schlimm aufgefasst wird, wird sie in der Regel dennoch als privater, tragischer Einzelfall abgetan, dem absolut keine Struktur zugrunde liegt. So hört man es immer wieder. Doch es ist ganz anders: Grenzüberschreitungen sind Teil des Alltags. Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erlebte bereits jede zweite Person sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Viele der Betroffenen, meistens Frauen, schweigen über ihre Erfahrungen. Doch wir reden darüber. Jetzt!

Es ist wichtig und wird immer wichtiger sich über strukturelle Hintergründe sexualisierter Gewalt und sexueller Belästigung auszutauschen. Sexismus ist Teil unserer Gesellschaft, sowie wie Kaffee Teil des Frühstücks ist. Ausrufe wie „Geiler Hintern“ oder „Wir sehen uns dann heute Abend im Bett, Baby!“ sind keine Komplimente. Im Englischen bezeichnet man sie als catcalling. Diese Ausrufe sind keine Versehen von dummen Typen, die nicht in der Lage sind, sich ordentlich auszudrücken. Vermutlich sind sie das tatsächlich nicht, aber das ändert nichts daran, dass cat calling regelmäßig passiert. Nicht nur auf Partys, sondern auch am Arbeitsplatz, nicht nur zwischen Freund*innen und Bekannten, sondern auch durch Fremde auf der Straße. Natürlich dürfen sich Menschen nette Dinge sagen. Aber eben im richtigen Kontext. Wenn dein Sexualpartner dir auf die Brust schaut ist das was anderes als wenn dein Gesicht beim Bewerbungsgespräch keines Blickes gewürdigt wird. Dazu muss man erwähnen, dass sexuelle Belästigung und Gewalt natürlich auch in etablierten Partnerschaften eine Rolle spielen kann.

Medien, Politiker*innen und unaufgeklärte Menschen, werden kreativ, wenn es darum geht Übergriffe zu relativieren. Erst Ende letzten Jahres hat die Anwältin eines in Irrland der Vergewaltigung angeklagten Mannes auf die Spitzenunterwäsche des Opfers hingewiesen. Der Mann wurde freigesprochen. Muss man also mit Grabschen und Vergewaltigung rechnen, wenn man einen kurzen Rock oder sexy Unterwäsche trägt? Gelten diese Kleidungsstücke als Freifahrtschein für Arschlöcher? Es ist verheerend und passiert doch so oft, dass sich die Suche nach der Ursache für sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt auf die Opfer, ihre Kleidung und ihr Verhalten, statt auf die Täter fokussiert. Was folgt daraus? Die Opfer erhalten weder die Hilfe, die sie benötigen und Täter*innen entkommen ihrer Strafe.

Auch ist das Patriarchat keine Importware. Es ist nicht erst 2014 mit der ersten Geflüchtetenwelle nach Deutschland gekommen. Abgesehen davon, dass Sexualstraftäter meistens aus dem nahen persönlichen Umfeld des Opfers kommen, lenkt es von der, diesen Taten zugrundeliegenden, Struktur ab – Sexismus. Wenn sich ausnahmsweise bei Sexualstraftaten auf die Täter, statt auf die Opfer konzentriert wird ist das an sich gut. Wenn dieses Vorgehen allerdings dazu dient rassistische Klischees aufrechtzuerhalten hilft das weder den von Sexismus noch den von Rassismus betroffenen weiter. In diesen Fällen werden Opfer sexualisierter Gewalt nur wahrgenommen, weil die Hintergründe der Täter*innen für konservative und menschenfeindliche Zwecke genutzt werden wollen. Jedes Jahr zum Karneval oder Oktoberfest kommt es zu unzähligen sexuellen Übergriffen, doch der große Aufschrei, wie nach der Kölner Silvesternacht, bleibt aus. Während massenhafte Erfahrungsberichte über Grenzüberschreitungen im Rahmen der #metoo-Debatte auf Twitter als normales Balzverhalten abgetan werden, werden Täter*innen mit Migrationshintergrund durch dieselben Personen freudig an den Pranger gestellt.

Wenn ihr oder Bekannte also von sexualisierter Gewalt oder sexueller Belästigung betroffen seid, dann liegt das weder an euch, eurem Verhalten, eurer Kleidung, der Situation oder dem kulturellen Hintergrund der Täter*innen. Sexismus ist eine fest in unserer Gesellschaft verankerte Struktur. Ihre Hintergründe müssen im Alltag aber auch akademisch diskutiert und analysiert werden, um ihnen entgegenzuwirken. Für dich persönlich musst du deinen eigenen Weg finden mit solchen Vorfällen dir oder anderen gegenüber umzugehen. Sie werden uns leider die nächsten Jahre noch begleiten. Du bist nicht übersensibel oder prüde, wenn du eine Geste, eine Berührung oder Äußerung als Belästigung wahrnimmst. Du darfst darüber reden, im Privaten Freund*innen davon erzählen oder es in aller Öffentlichkeit anprangern. Du lebst in einer patriarchalen Gesellschaft und bist den Auswirkungen dieser Gesellschaft ausgesetzt. Verändern kann man diese Tatsache nur durch harte Arbeit. Dazu gehört: eine stetige Thematisierung, Konsequentere Ahndung sexualisierter Gewalt und sexueller Ausbeutung und außerdem emanzipatorische Bildung mit antisexistischen Inhalten und Lehrmethoden. Sexismus ist keine Wunde, die man einfach so mit einem Pflaster abdecken kann. Wir brauchen ’ne Therapie!

– by Pauline

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