Freiwild – S

Ich bin es eigentlich immer gewohnt gewesen, dass wenn ich Männern zu verstehen gegeben habe, dass ich nicht an ihnen interessiert bin, ich recht schnell in Ruhe gelassen werde. Normalerweise bin ich es eben auch gewohnt, dass mich die meisten Menschen respektieren und dass ich mir nichts gefallen lassen muss. Das hat schon viele Abende so funktioniert.

Einmal war ich abends mit zwei Freunden etwas trinken und wir sind ein bisschen durch die Stadt gezogen, als sich das Ganze dann langsam dem Ende neigte, wollten sich beide noch einmal fix etwas zum Essen holen, Pizzabrötchen. Die Idee hatten auch noch 15 andere Menschen gleichzeitig also bildete sich eine recht große Schlange vor dem Laden. Man muss dazu sagen, dass es am Wochenende war in einem sehr belebten Stadtviertel, wo sehr viele feierwütige Menschen auf den Straßen unterwegs waren, es gab für mich also absolut keinen Grund mich irgendwie unwohl zu fühlen, da es ja in Notfällen genug Leute auf der Straße geben würde die einem helfen könnten.

Da ich nichts essen wollte, hab ich mich wenige Meter abseits der langen Schlange gestellt, mir eine Kippe gedreht und auf meine Freunde gewartet.

Ich stand grade mal eine Minute alleine vor dem Laden und war fertig mit Drehen, als ein Kerl mich ansprach.

„Hast du ne Kippe für mich?“

– mir gefiel sein sehr fordernder Ton nicht, also sagte ich nein.

„Gib mir doch einfach deine!“

– „Nein!“.

Ich sah ihn recht genervt an und er fing an zu lächeln.

„Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt was für schöne blaue Augen du hast?“

Ich zündete mir die Kippe an, nahm nochmal einen Schritt Abstand und sagte, dass es mich nicht interessieren würde. Er kam nochmal einen Schritt näher, versuchte mir die Zigarette aus der Hand zu nehmen und fragte mich wie ich denn heißen würde. Ich habe mich aufs Einfachste begrenzt und versucht ihm so schnell wie möglich zu verstehen zu geben, dass ich keinen Bock auf ihn habe.

Ich sagte wieder Nein.

Er sah mich an und fing an mich auszulachen.

Während er mir mir immer näher kam, wiederholte ich einfach nur noch, immer lauter werdend dieses eine Wort.

Nein, Nein, NEIN.

Er nahm mich immer noch nicht ernst. „Heißt du nein, oder wie?“ lachte er total arrogant und herablassend.

Ich fing an wütend zu werden und ihm laut zu sagen dass ich keinen Bock auf ihn habe. Offensichtlich hat mich einer meiner Freunde gehört und genau in dem Moment stand A. neben mir, nahm mich in den Arm und fragte mich, ob ich auch was essen will. Es war nicht einmal notwendig dass A. sich dem Kerl zuwenden musste, schon die Geste des In-den-Arm-Nehmen hat den widerlichen Kerl mir gegenüber dazu veranlasst, sich mit weit aufgerissenen Augen bei meinem KUMPEL mehrmals zu entschuldigen. „Sorry Bro!“ Und dann ist er abgehauen.

Ich war in einer absoluten Schockstarre und umso mehr ich realisiert habe, was hier grade abging, desto wütender wurde ich.

Nicht nur dass es sonst niemand für notwendig hielt überhaupt mal hin zu schauen trotz meiner Lautstärke. Aber die Tatsache, dass ich in seinen Augen wohl einfach wie frei zu nehmende Ware war und es für ihn wohl beleidigender war, dass er möglicherweise die Frau eines anderen Typen angemacht hat, als überhaupt sein gesamtes respektloses Auftreten mir gegenüber. Ich bin mir nicht sicher wie es wohl weiter gelaufen wäre, wäre A. nicht dabei gewesen. Aber ich bin froh, dass mein Kumpel so schnell schalten konnte.

Ich hoffe, dass es für noch sehr viel mehr Frauen eher eine Ausnahme ist in solchen Situationen zu stecken. Man sollte sich niemals sein Selbstbewusstsein durch solche Typen nehmen lassen.

– Sylvi

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