Wie ich Alles und Nichts unter einen Hut bekomme. – C

Wenn mich jemand bitten würde, mich in wenigen Worten zu beschreiben, dann wären die Eigenschaften organisiert und perfektionistisch auf jeden Fall ganz vorn mit dabei.

Diese beiden Ideale, die ich mir selbst auferlegt habe, sind der Grund dafür, dass ich eigentlich immer irgendwas zutun habe, dass ich ständig mindestens in zwei Jobs arbeiten kann, dass ich gute bis sehr gute Noten schreibe und Leute mich immer wieder fragen: „Wie machst du das denn Alles gleichzeitig?“ ABER diese beiden Eigenschaften tragen auch eine riesige Mitschuld an der Depression, die ich im vorletzten Jahr entwickelt habe. Sie sind Schuld an vielen meiner Selbstzweifel und verursachen, dass ich meine eigenen Gefühle und meine Gesundheit oft in meinen Prioritäten unter meine (zukünftigen/gewünschten) Erfolge setze.

Wir wurden gefragt, wie wir im Alltag organisatorisch „Alles“ unter einen Hut bekommen und ich dachte, ich erzähle euch einfach mal, wie so ein typischer Tag bei mir momentan aussieht, wie ich ihn strukturiere und wieso.

Wenn alles richtig richtig gut läuft, stehe ich zwischen 7 und 9 Uhr auf. Wenn Steffi und ich zum Sport gehen, dann machen wir das am liebsten morgens, um schon so richtig energiegeladen in den Tag zu starten. 8 Uhr sind wir dann schon im Fitness Center. Das kann ich mega doll empfehlen. An Tagen, wo das klappt, komme ich mit allen anderen, folgenden Aufgaben viel schneller zurecht und kann mich einfach besser konzentrieren. Allerdings ist es unheimlich wichtig, dass ich sowas nur mache (vor allem, wenn es regelmäßig sein soll), wenn ich trotzdem genug Schlaf bekomme. Mindestens 6 und im besten Fall 8 Stunden jede Nacht sind da bei mir so die Regel, also absolut nichts Besonderes.

Nach dem Sport wird natürlich geduscht, es gibt Frühstück und es muss mit dem Hund spaziert werden. Ich habe bei Rocko das Glück, dass der überhaupt nicht anspruchsvoll ist. Ob ich um 6 oder um 10 Uhr seine erste Runde gehe, ist ihm komplett egal. Unikram mache ich, wann immer möglich, so zeitig ich kann. An Tagen, wo ich weder Arbeiten noch in der Uni anwesend sein muss/will, bin ich dann zwischen 11 und 18 Uhr mit Arbeit für die Uni, Haushaltsgedöns und einer zweiten Hunderunde beschäftigt. Dann Einkaufen, Abendessen, eine weitere Hunderunde und ab 22 Uhr letztlich noch zwei Stunden, in denen ich entweder meinen Mann in seinen Hobbys unterstütze oder wir gemeinsam Basketball schauen. Dann ins Bett und am nächsten Morgen geht’s wieder los.

An zwei bis vier Tagen die Woche gehe ich arbeiten. Meistens zwischen 15 und 20:30 Uhr. Wenn ich davor trotzdem zum Sport will und an Sachen für die Uni arbeiten muss, dann fallen sowohl Haushalt als auch Rocko und mein Mann hinten runter. Anders geht’s einfach nicht. Dann passt nunmal nicht „Alles“ drunter, unter den Hut. Dann muss ich Glück haben, dass mein Mann mir die Dinge abnehmen kann, die ich nicht schaffe oder aber ich schiebe auf, was aufzuschieben geht, und hoffe an einem anderen Tag dafür Zeit zu finden. In der Zeit, die nicht komplett verplant ist, schaue ich auf meine Prioritätenliste:

1) Uni

2) Arbeit

3) Rocko

4) Mein Mann

5) Freunde

6) Sport (eigentlich hier unten, wird aber je nach Stand der Selbstzweifel auch gerne mal unter der Arbeit eingeordnet)

7) Haushalt

8) TWICE AS MUCH

9) Familie

10) Schlaf

11) Ich

Und je nachdem was an dem Tag eben schon abgehakt wurde, wird dann der nächst-wichtigste Punkt in Angriff genommen. Jetzt könnte man fragen, warum mein Mann unter meinem Hund steht (der Mann kann sich auch selbst um sich kümmern, der Hund braucht mich tatsächlich) und warum meine Familie fast am Ende der Liste zu finden ist (wenn’s etwas Wichtiges gibt, dann melden die sich von selbst) oder warum Ich weniger wichtig bin als „Alles“ andere. Diese Liste ist nicht schön, aber sie ist ehrlich. Ich weiß selbst, dass sie nur in den Zeiten wirklich gut funktioniert, in denen ich mittelmäßig viele Aufgaben in der Uni zu erledigen habe, aber dann ermöglicht sie mir den „Wie schaffst du das eigentlich Alles?“- Effekt. Je mehr ich in der Uni zutun habe allerdings, desto weniger weiter nach unten schaffe ich es in der Liste. Die Konsequenzen sind dann, dass ich nur noch selten durchschlafe und schlimme Albträume bekomme, ich fühle mich müde, ausgelaugt und absolut nicht mehr in der Stimmung auf scheinbar entspannte Abende mit Freunden. Ich verliere Appetit und habe die ganze Zeit das Gefühl „unter Strom zu stehen“, das Gefühl, was man 5 Minuten vor einer wichtigen Prüfung hat, nur eben den ganzen Tag lang. Und ich werde viel emotionaler und weine mehr. Außerdem gerate ich dann nicht nur innerlich sondern auch äußerlich in ein großes Chaos (Ihr wollt meinen Schreibtisch nicht sehen und ohne meinen Mann hätte ich quasi nie etwas Sauberes zum Anziehen).

Diese Effekte sind das rote Licht meiner inneren Ampel und vermitteln mir, dass meine Prioritätenliste nicht funktioniert. Ich kann euch ehrlich sagen, dass ich (noch) nicht weiß, wie ich sie so umstellen kann, dass „Alles“ unter meinen Hut passt, ohne dass ich in anstregenden Zeiten verrückt werde, ABER ich arbeite daran (natürlich, denn ich bin ja Perfektionistin und kann nicht damit leben, dass diese Dinge nicht funktionieren).

Ihr seht, ich kann euch keinen Masterplan geben, wie ihr es organisierter durch euren Alltag schafft, aber, um auf einer guten Note zu enden, gibt es jetzt noch 4 Dinge, die mir trotz allem helfen einigermaßen erfolgreich durch mein Leben zu stiefeln:

1. Macht euch einen Plan, wenn ihr langfristige Aufgaben habt. Setzt euch kleine Stationsziele. Wenn ich eine Seminararbeit schreibe, dann plane ich nicht nur, wann ich die Arbeit abgeben muss, sondern überlege vorher bis zu welchem Datum ich meine Literaturrechrche abgeschlossen haben will, wann ich die Arbeit das erste Mal zum Korrekturlesen weiterschicke, wann ich selbst korrigiere und wann ich sie dann letztlich in den Briefkasten des Profs stecke. Dabei mache ich mir manchmal sogar einen Plan, an welchen Tagen ich welche Literatur durcharbeiten möchte. So merke ich immer, wenn ich vor oder hinter dem Zeitplan bin und kann mir entweder gerechtfertigt Druck machen oder aber mir mehr Pausen nehmen.

2. Nehmt Hilfsangebote an und bedankt euch. Ohne meinen Partner wäre ich zum Beispiel schon längst im Chaos versunken, ich hätte in den letzten Jahren niemals so gute Noten geschrieben und mein Hund würde mich an manchen Tagen wahrscheinlich auch hassen. Ich wäre vielleicht nicht verhungert, aber das würde dann auch eher daran liegen, dass ich sehr gut von Pizzabaguette, Chips und Mikrowellen-Popcorn leben kann.

3. Traut euch auch mal abzusagen. Eure Freunde sollten verstehen, wenn ihr eure eigene Stabilität über ein Café-Date mit ihnen stellt. Daran arbeite ich zum Beispiel auch noch sehr (siehe mein Platz auf meiner eigenen Liste) und bin riesig froh, dass ich bereits Freunde habe, mit denen ich das genau so tun kann. „Sorry, ich muss heute mal Psychohygiene betreiben.“ sollte ein solides Argument sein, mal nicht mit in die Bar zu gehen. Wie gesagt, it’s work in progress.

4. Lernt eure eigenen Warnsignale kennen. Ich habe ein Ampelsystem entwickelt und unterscheide zwischen Grün (alles gut, keine außerordentlichen Signale), Gelb (Achtung! Du bewegst dich in eine komische Richtung, lass mal schauen, wo wir vielleicht vorher abbiegen können.) und Rot (Stop! So kann es langfristig auf keinen Fall weitergehen.). Dieses System habe ich das erste Mal benutzt, als ich gelernt habe, mit meiner Essstörung umzugehen. Grün war dort, dass ich alles essen kann, was ich will und nicht über Kalorien oder Abnehmen nachdenke. Gelb war sowas wie einen Artikel darüber lesen, dass Taylor Swift 5 Kilo zugenommen haben soll (und wie schrecklich das doch aussehen würde) und dann beim nächsten Besuch im Restaurant den Burger ohne Pommes zu bestellen. Und Rot war „Nein, ich möchte nicht mehr Frühstücken, mein Brot allein hat schließlich xy Kalorien!! Und können wir einfach mal einen Monat keine Süßigkeiten essen? Und ja vielleicht habe ich mich letztens beim Sport gewogen und bekomme die Zahl nicht mehr aus dem Kopf.“

Meine roten Signale für Stress/Überarbeitung habe ich euch ja oben schon dargestellt.

Wenn ihr sowas für euch gefunden habt, dann solltet ihr probieren passende Strategien zu finden, mit denen ihr auf euer Warnsignal reagieren könnt. Wenn ich rote Signale von meiner Essstörung bekomme und das reflektieren kann, dann gibt’s zum Abendessen zum Beispiel Döner. Egal wie sich das in dem Moment vielleicht anfühlen mag. Dieses System hat mir wirklich enorm viel geholfen, weil ich mich dabei sehr, sehr stark auf mich konzentriere und wirklich herausfinde, was für mich funktioniert und was nicht.

So das war’s erstmal von mir zu dem Thema! Wenn ihr noch Fragen, Anmerkungen und/oder Anregungen zum Thema Alltags-Orga habt, dann schreibt mir/uns gerne hier unten in den Kommentaren oder aber bei Instagram. 🙂

Danke fürs Lesen!

Celine

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