Ich bin nicht du, du bist nicht ich. -S

Ich fühle mich schon seit ich denken kann oft missverstanden. Ich tue oder denke Dinge, spreche diese auch immer gern aus, Andere begegnen dem mit Kopfschütteln, Kichern, schallendem Gelächter oder auch Argwohn, wieder Anderen ist es egal, aber das sind eher wenigere.

Seit einer Weile setze ich mich etwas aktiver mit Persönlichkeiten auseinander und finde es immer wieder spannend zu merken, wie offensichtlich vieles doch ist, logisch, wenn wir uns nur einmal wirklich Gedanken dazu machen und nicht die Augen verschließen. Ich habe so viele Facetten. Andere haben die auch. Gelegentlich kann das dann zu Missverständnissen und Streit führen. Ich bin eine Person, die im Allgemeinen sehr fasziniert von anderen Menschen mit starken Persönlichkeiten ist. Ich finde es großartig, mir die verschiedensten Denkmuster anzusehen, vielleicht daraus zu lernen. Dabei komme ich aber, wie man sich vielleicht vorstellen kann, auch oft mit Ecken und Kanten in Berührung, an denen man sich leicht stoßen kann.

Ich habe beispielsweise schon immer dazu geneigt, Menschen helfen zu wollen. Ich konnte es absolut nicht ausstehen, wenn jemandem Unrecht getan wurde. Ich habe mich so oft über diese Dinge aufgeregt und genauso oft kam mir ein “Du kannst nicht immer allen helfen wollen. Das ist nicht deine Angelegenheit.” entgegen. So gern ich Menschen auch helfen wollte, so sehr wollte ich es auch den Anderen recht machen. Also fing ich immer öfter an, zu schweigen. Weil das schwer war, fing ich irgendwann auch an, wegzuhören, wegzusehen. Und weil das auch noch sehr schwer war, verbog ich mich schließlich ganz und verdrängte einfach das meiste. Ich versuchte, mich zu ändern, meine Persönlichkeit zu ändern.

(Mittlerweile bin ich da aber zum Glück wieder raus, weil viele meiner Freunde nicht so gern schweigen und das ist auch gut so.)

Ich habe mir Kritik so sehr zu Herzen genommen, obwohl sie von Menschen kam, die einfach komplett andere Werte und Persönlichkeitstypen haben, als ich. Dass diese Menschen mich nicht verstehen, ist ja wohl logisch. Oder besser gesagt: Es ist logisch, dass sie es anders machen wollen würden. Nur steckten eben nicht sie in dieser Situation, sondern ich.

Mittlerweile verstehe ich sowas besser und kann daran auch oft abschätzen, ob die Kritik jetzt tatsächlich hilfreich ist, oder nur daher rührt, dass ich ich bin, und sie sie. Wenn ein Mensch, der total extravertiert ist, sagt, dass ich doch mal mehr rausgehen muss, mein Leben endlich RICHTIG leben muss, dass ich auf andere Menschen zugehen und laut in die Welt schreien soll, was ich liebe und hasse, dann ist das das, was diese Person tun würde. Was in ihrem Wesen liegt. Nicht das, was in meinem liegt. Daher kann ich dann getrost sagen: „Danke, aber nein, danke!“.

Einer kleinen Person sagt man auch nicht, dass sie sich bei einem Konzert in der letzten Reihe doch nur ein wenig mehr zu strecken braucht, dann sieht sie bestimmt fast genauso viel, wie man selbst, auch wenn man ganze 30 Zentimeter größer ist.

Ich sage hierbei nicht, dass Kritik im Allgemeinen schlecht ist, nein. Kritik ist gut, das brauchen wir, um zum einen mit ihr umgehen zu können und zum anderen, um an ihr wachsen zu können, wenn es uns denn als richtig erscheint. Ich bewege mich allerdings nicht aus meiner Comfort Zone hinaus, nur weil jemand meint, mir mitteilen zu müssen, dass seine Art zu leben ja so viel besser ist, obwohl unsere Ziele sich doch so sehr unterscheiden.

Seit ich das Alles in Zusammenhang gesetzt habe, fällt es mir viel leichter, auch mal „Nein“ zu sagen. Ich fühle keine Schuld mehr, wenn ich die Erwartungen einer anderen Person nicht erfülle, denn nur weil ihre anders sind als meine, heißt das nicht, dass einer von uns ein schlechterer Mensch ist, als der andere. Verständnis für die Verschiedenheit der Menschen zu haben macht es so viel weniger anstrengend, in dieser Welt zu leben, in der jeder seine Ansichten teilt und in der wir viel leichter Zugriff darauf haben. Auch Freundschaften und generell die Beziehungen zu unseren Liebsten sollten von Akzeptanz geprägt sein, von Kompromissen, anstatt immer nur zu versuchen, für sich selbst die angenehmste Art herauszuboxen.

Ich will mich nicht mehr schlecht fühlen müssen, weil andere nicht das von mir erhalten, was sie gern möchten. Ich möchte mich stattdessen viel lieber gut fühlen, weil ich alles gegeben habe, was ich konnte und auch wollte, und mit eben dieser Einstellung begegne ich auch meinen Mitmenschen. Ich vertraue ganz einfach darauf, dass die Menschen um mich herum das geben, was sie zu geben haben und es kein böser Wille ist, wenn sie einmal nicht mehr geben können. Wir alle versuchen irgendwie mit dem klarzukommen, was uns im Alltag beschäftigt und vereinnahmt. Also lasst doch einfach zumindest die Menschen das sein, was sie sind, und sie nicht zu Dingen drängen, die sie nicht tun wollen, nur, weil wir es vielleicht erwarten würden. ❤️

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